Mit offenen Augen schlafen: Ursachen, Folgen und was hilft
Woran Sie einen Lagophthalmus erkennen und was dagegen hilft
- 1.Woran Sie einen unvollständigen Lidschluss merken
- 2.Warum Ihre Augen nachts Feuchtigkeit brauchen
- 3.Die häufigsten Ursachen für einen nächtlichen Lagophthalmus
- 4.Wenn der Augapfel zu weit hervortritt
- 5.Was ein offener Lidspalt für die Augen bedeutet
- 6.Der Einfluss auf den Schlaf ist geringer als oft behauptet
- 7.Behandlung gehört in ärztliche Hände
- 8.Wenn der Lidschluss dauerhaft ausbleibt
- 9.Was Sie im Schlafzimmer selbst tun können
- 10.Fazit
Es klingt zunächst seltsam, doch es gibt tatsächlich Menschen, deren Augen im Schlaf nicht vollständig geschlossen sind. Fachleute sprechen dann von einem Lagophthalmus. Meist bleibt nur ein schmaler Spalt offen, und häufig steckt keine Erkrankung dahinter. Auf die leichte Schulter nehmen sollten Sie es trotzdem nicht, denn die Hornhaut trocknet dabei Nacht für Nacht aus.
- Beim Lagophthalmus schließen die Lider im Schlaf nicht vollständig, meist bleibt nur ein schmaler Spalt offen.
- Typische Anzeichen sind gerötete Augen am Morgen, ein Fremdkörpergefühl und verschwommenes Sehen direkt nach dem Aufwachen.
- Hinter den behandlungsbedürftigen Fällen steckt am häufigsten eine Lähmung des Gesichtsnervs. Bei leichten Lidspalten findet sich oft keine Ursache.
- Bleibt die Hornhaut trocken, drohen Reizungen, Infektionen und Narben: Lassen Sie das augenärztlich abklären, bei plötzlichem Lidschlussdefizit noch am selben Tag.
Woran Sie einen unvollständigen Lidschluss merken
Mit offenen Augen zu schlafen bedeutet nicht, dass die Augen weit geöffnet sind oder Sie Ihre Umgebung wahrnehmen. Manchmal öffnet sich nur ein Auge, und in aller Regel bleiben die Augen beim Lagophthalmus lediglich einen Spalt breit offen.
Sich selbst im Schlaf zu beobachten, ist schwierig. Es gibt jedoch einige Anzeichen, an denen Sie erkennen, wie es in Ihrem Fall aussieht. Wer mit halb geöffneten Augen schläft, wacht häufig so auf:
- Die Augen sind morgens übermäßig gerötet.
- Direkt nach dem Wachwerden sehen Sie nur verschwommen.
- Das Auge fühlt sich an, als wäre ein Sandkorn darin.
- Das Öffnen der Lider fällt morgens schwer.
- Sie reagieren lichtempfindlich.
Entscheidend ist der Verlauf: Die Beschwerden sind morgens am stärksten und lassen im Lauf des Tages nach. Genau das deutet darauf hin, dass die Ursache in der Nacht liegt.
Nachsehen hilft dabei weniger als erwartet, denn dichte Wimpern können den Spalt verdecken und ein überhängendes Oberlid lässt das Auge geschlossen wirken. Sicherheit bringt erst die Untersuchung an der Spaltlampe.

Warum Ihre Augen nachts Feuchtigkeit brauchen
Im Wachzustand sorgt das Blinzeln dafür, dass die Augen jederzeit gut befeuchtet sind. Im Schlaf übernimmt das der Lidschluss: Die Augenlider legen eine feine Schicht Tränenflüssigkeit über die Sehorgane, sodass nichts austrocknet.
Dieses Feuchthalten erfüllt zwei Aufgaben. Zum einen wehrt es Schmutz und Staub ab und transportiert beides gleich wieder fort. Zum anderen schmiert die Tränenflüssigkeit das Auge. Wird es zu trocken, kann die äußere Schicht Schaden nehmen, zerkratzen oder sich entzünden.
Nicht jede Augenbewegung im Schlaf ist übrigens ein Warnzeichen: Im REM-Schlaf bewegen sich die Augen hinter geschlossenen Lidern ganz regulär.
Die häufigsten Ursachen für einen nächtlichen Lagophthalmus
Fachleute unterscheiden zwei Gruppen: Entweder schließt das Lid selbst nicht richtig, oder der Augapfel tritt so weit hervor, dass das Lid ihn nicht mehr bedecken kann.
Die häufigste Ursache der ersten Gruppe ist eine Lähmung des Gesichtsnervs. In 60 bis 75 Prozent der Fälle findet sich dafür kein Auslöser, dann sprechen Fachleute von einer idiopathischen Fazialisparese, früher auch Bell-Lähmung genannt. Bei den übrigen 25 bis 40 Prozent lässt sich eine Ursache benennen:
- eine Lyme-Borreliose nach einem Zeckenstich, die häufigste erregerbedingte Ursache
- eine Gürtelrose am Ohr, der sogenannte Zoster oticus
- Verletzungen und Operationen im Gesicht, auch eine zu weit gehende Lidstraffung
- Mittelohrentzündungen und Tumoren an Schädelbasis oder Ohrspeicheldrüse
- Diabetes mellitus, besonders zusammen mit hohem Blutdruck
Ein Schlaganfall wird oft mitgenannt, trifft aber meist nicht zu: Sitzt er in der Großhirnhälfte, bleibt der Lidschluss erhalten, weil die obere Gesichtshälfte von beiden Hirnhälften versorgt wird. Nur ein Schlaganfall im Hirnstamm lässt das Lid mit ausfallen.
Wenn der Augapfel zu weit hervortritt
Zur zweiten Gruppe gehört vor allem eine Schilddrüsenerkrankung: Bei Morbus Basedow kann das Gewebe hinter dem Auge zunehmen und den Augapfel nach vorn schieben. Das Lid ist dann gesund, es reicht nur nicht mehr über das Auge. Behandelt wird in diesem Fall die Schilddrüse, nicht das Lid.
Und oft findet sich gar keine Ursache, denn ein schmaler Lidspalt kommt auch bei gesunden Menschen vor. Auch Eltern beobachten das, und wenn ein Baby mit offenen Augen schläft, entscheidet der Zustand der Augen am Morgen darüber, ob es abgeklärt gehört.
Was ein offener Lidspalt für die Augen bedeutet
Wie lange der Lagophthalmus bleibt, hängt an seiner Ursache. Eine Lähmung des Gesichtsnervs bildet sich in vielen Fällen zurück, gerade wenn sie früh behandelt wird. Ein hervortretender Augapfel oder eine vernarbte Lidkante bleiben dagegen, bis jemand sie behandelt. Hinnehmen sollten Sie den offenen Lidspalt in keinem Fall, denn die Auswirkungen auf die Augengesundheit können erheblich sein.
Möglich sind unter anderem:
- ein Defekt der obersten Hornhautschicht
- Augeninfektionen bis hin zur bakteriellen Hornhautentzündung
- Schädigungen der Hornhaut bis hin zum Hornhautgeschwür
- bei unbehandeltem Geschwür eine bleibende Narbe, die die Sehschärfe dauerhaft mindert
Deshalb führt der Berufsverband der Augenärzte den unvollständigen Lidschluss unter den Themen für den Erhalt der Sehkraft: Nicht der Lidspalt schadet, sondern die austrocknende Hornhaut darunter.
Gereizte Augen haben dabei selten nur eine Ursache. Eine hohe Milbenbelastung im Bett kann sie zusätzlich verstärken, gerade wenn Ihre Augen ohnehin empfindlich sind. Dagegen helfen Encasings: dicht gewebte Bezüge aus Evolon, die Milben und ihre Ausscheidungen von Matratze und Kissen fernhalten. Wir fertigen sie in Erfurt und wissen deshalb genau, worauf es bei der Gewebedichte ankommt. Den Lidspalt schließen sie nicht, sie nehmen dem Auge nur eine Reizquelle. Die komplette Reihe finden Sie in unserer Encasing-Auswahl.
Der Einfluss auf den Schlaf ist geringer als oft behauptet
Dass ein offener Lidspalt den Schlaf verschlechtert, wird oft als gesicherte Tatsache dargestellt. So klar ist die Datenlage nicht: Eine größere Untersuchung fand bei Betroffenen nur eine Tendenz zu schlechterem Schlaf, statistisch gesichert war der Unterschied nicht. Nachvollziehbar ist der Weg über die Beschwerden, denn ein trockenes, brennendes Auge weckt auf und macht das Einschlafen schwerer. Wie Sie Ihrem Körper zu erholsamem Schlaf verhelfen, lesen Sie in unseren Hinweisen zur Schlafhygiene.
Behandlung gehört in ärztliche Hände
Wer tatsächlich an einem Lagophthalmus leidet, kann selbst wenig ausrichten. Hier braucht es das Gespräch mit einer erfahrenen Ärztin oder einem erfahrenen Arzt, bei dem auch die Ursachen abgeklärt werden. Wichtig ist das Tempo: Bei einer plötzlichen Lähmung des Gesichtsnervs hängt der Behandlungserfolg davon ab, dass die Therapie innerhalb von 48 bis 72 Stunden beginnt.
Solange das Lid nicht schließt, geht es darum, die Hornhaut feucht zu halten. Die Leitlinie von Berufsverband der Augenärzte und Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft nennt für den unvollständigen Lidschluss je nach Hornhautbefund Tränenersatzmittel und Augensalbe, eine Brille mit Seitenschutz und den Uhrglasverband. Dieser Verband ist gemeint, wenn von einer Feuchtigkeitsbrille die Rede ist: eine durchsichtige Kammer, die ähnlich wie eine Schlafmaske über dem Auge sitzt und die Feuchtigkeit darin hält. Eine gewöhnliche Schlafmaske aus Stoff leistet das nicht, denn die Leitlinien nennen ausdrücklich den Uhrglasverband.
Wenn der Lidschluss dauerhaft ausbleibt
Bildet sich die Lähmung nicht zurück, kommt die Lidbeschwerung infrage. Erprobt wird sie von außen: Ein angepasstes Gewicht wird auf das Oberlid geklebt, ohne die Wimpern zu berühren. Passt es, lässt sich ein Gold- oder Platingewicht in örtlicher Betäubung unter den Lidschließmuskel einsetzen. Es zieht das Lid nach unten, sodass es das Auge wieder bedeckt.
Wenn Ihre Augen morgens regelmäßig gerötet sind, brennen oder kratzen, gehört das in augenärztliche Hände. Hinter einem Lagophthalmus können Nervenschädigungen stecken, die sich behandeln lassen. Eine unbehandelt austrocknende Hornhaut nimmt dagegen dauerhaft Schaden.
Dringend wird es, wenn der Lidschluss plötzlich aussetzt, eine Gesichtshälfte schlaff wirkt oder das Sehen nachlässt. Warten Sie dann nicht auf den nächsten freien Termin.
Was Sie im Schlafzimmer selbst tun können
Das Schlafzimmer behandelt keinen Lagophthalmus, es kann dem Auge aber Arbeit abnehmen. Trockene Heizungsluft gilt als Risikofaktor für das trockene Auge, und wer sie mit einem Luftbefeuchter entschärft, nimmt dem Tränenfilm eine Belastung. Den Lidspalt schließt das nicht und die ärztliche Therapie ersetzt es nicht.
Der zweite Weg führt über Kissen und Decke selbst. Unsere ALLERGENA-Bettwaren lassen sich bei 95 °C waschen, und diese Temperatur überleben Hausstaubmilben nicht. Bei einer ausgeprägten Hausstauballergie reichen Bezüge und Waschgänge allein allerdings oft nicht aus.
Fazit
Ein schmaler Lidspalt in der Nacht ist für sich genommen nichts Dramatisches, und bei vielen Menschen steckt gar keine Erkrankung dahinter. Entscheidend ist, was daraus folgt: Bleibt die Hornhaut Nacht für Nacht trocken, kann eine Narbe zurückbleiben, die das Sehen dauerhaft verschlechtert.
Lassen Sie diese Symptome ärztlich abklären, statt sie mit selbst gewählten Tropfen zu überdecken, denn welches Mittel passt, hängt am Befund der Hornhaut. Und wenn der Lidschluss plötzlich aussetzt, zählen Tage, nicht Wochen.















